Fünf Jahre wir weit weg – Erfolgreiche Internationale Jugendarbeit an sieben Oberschulen

Das Projekt der internationalen Jugendarbeit wir weit weg wird fünf Jahre alt. Am 19. November 2019 findet die Geburtstagsfeier von 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr in der vdi – GaraGe in Leipzig statt. Mit dabei: über 100 Projektbeteiligte aus Deutschland und sieben europäischen Partnerländern, Förderer sowie Vertreter*innen von Schulen und Stadtverwaltung.

„Portugal war super. Ich habe mit meiner Mama gesprochen. Ich will jetzt das Abitur machen. Danach bin ich 18 und dann will ich einen Volunteer machen. Am liebsten dort in Lissabon“, berichtete Maja, damals 15 Jahre alt, begeistert. Sie war 2017 bis 2019 Teilnehmerin des wir weit weg-Projekts und hat, zusammen mit acht weiteren Mitschülerinnen und Mitschülern der Helmholtz-Oberschule Leipzig eine internationale Jugendbegegnung entwickelt und 2018 in Portugal durchgeführt.

Fünf Jahre, 120 Jugendliche, sieben Oberschulen, 13 internationale Jugendbegegnungen

Seit Projektbeginn 2014 haben etwa 120 Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren an fünf Leipziger Oberschulen, einer Oberschule in Chemnitz und an der Oberschule Frohburg insgesamt acht internationale Jugendbegegnungen im Ausland entwickelt und durchgeführt. Dazu gab es fünf Rückbegegnungen in Deutschland. Unterstützung bei der Organisation erhielten die Jugendlichen durch jeweils zwei ehrenamtliche Jugendgruppenleiter*innen und die hauptamtliche Projektkoordination der KINDERVEREINIGUNG Leipzig e.V.

Bei einer internationalen Jugendbegegnung treffen sich Gruppen von Jugendlichen aus mindestens zwei Ländern für etwa zehn Tage, um gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten. „Fast Feet Slow Food“ war eine der internationalen Jugendbegegnungen, die im Rahmen von wir weit weg entstanden ist. Sie fand 2018 in Griechenland statt, die Rückbegegnung führten die Jugendlichen zusammen mit ihren beiden Coaches 2019 in Leipzig durch. Thematisch drehte sich alles um gesunden Lebensstil, Ernährung und Sport.

„Wir erreichen mit wir weit weg eine unterrepräsentierte Zielgruppe“

„Das Projekt wir weit weg zeigt seit fünf Jahren, dass es möglich ist, mit internationaler Jugendarbeit Jugendliche zu erreichen, die nicht das Abitur anstreben. Diese Zielgruppe ist in dem Feld bisher unterrepräsentiert“, so Christian Schmidt-Rost, Projektleiter der Internationalen Jugendarbeit bei der KINDERVEREINIGUNG Leipzig e.V. „Ausschlaggebend für den Projekterfolg ist die Kooperation von Schule und Trägern der außerschulischen Jugendbildung, die kontinuierliche Arbeit mit der Gruppe über einen längeren Zeitraum und die Möglichkeit, dass die Jugendlichen viele Entscheidungen selbst treffen. Sie wählen zum Beispiel das Zielland selbst und auch das Thema und das Programm gestalten sie“, so Christian Schmidt-Rost weiter.

Die Jugendlichen nehmen aus dem Projekt wir weit weg ein gestärktes Selbstwertgefühl mit, verbessern ihre Fremdsprachen- und Projektmanagement-Kenntnisse, machen zum Teil ihre erste Auslandserfahrung, bauen Vorurteile ab. Die ehrenamtlichen Coaches – meist Studierende – sammeln wertvolle Berufserfahrungen. Für die Schulen bedeutet das Projekt die Erweiterung ihres Ganztagsangebots und eine Internationalisierung des Schulalltags.

Am 19. November blicken wir auf all die Errungenschaften zurück und werfen auch einen Blick nach vorn – denn das ist für all die Beteiligten klar: Das Projekt muss weitergeführt werden und es sollen noch viele Jugendliche davon profitieren.

KINDERVEREINIGUNG Leipzig e.V. teilt Wissen zur internationalen Jugendarbeit

Das Projekt Internationale Jugendarbeit hat in den vergangenen Jahren Fachwissen im Bereich der partizipativen internationalen Jugendarbeit gesammelt. Dieses teilen wir in verschiedenen Kontexten. Denn wir wollen mehr Fachkräfte ermutigen in das Feld der internationalen Jugendarbeit einzusteigen und mehr Jugendlichen ermöglichen Erfahrungen in pädagogisch begleiteten Mobilitätsmaßnahmen zu machen.

Konkret brachte sich Christian Schmidt-Rost in die Erstellung des Massive Open Online Course zur Organisation von internationalen Jugendbegegnungen des IJAB e.V. Fachstelle der Bundesrepublik Deutschland ein. „Dass wir zu diesem bundesweit wahrgenommenen Online-Kurs betragen durften, ist ein Zeichen für die Qualität unserer Arbeit“, zeigt sich Kristin Sroka, Fachbereichsleiterin Jugendarbeit KINDERVEREINIGUNG Leipzig e.V.  angetan.

Die gesammelten Erfahrungen mit der Entwicklung von internationalen Jugendbegegnungen mit Jugendlichen werden zudem in einem Fachbuch dokumentiert, das 2020 im Wochenschau Verlag erscheinen wird. Der Arbeitstitel ist „Internationale Jugendbegegnungen partizipativ gestalten“. Dabei nimmt das Autorenteam (Babette Pohle, Jessica Reinsch, Diana Tillmann und Christian Schmidt-Rost) multiperspektivisch in den Blick und bietet auch konkrete Vorschläge, wie so ein Prozess gestaltet werden kann.

Um angehende Sozialarbeiter*innen für die Möglichkeiten von internationale Jugendarbeit  als Methode zu gewinnen, bietet Christian Schmidt-Rost zusammen mit Prof. Dr. Heike Förster an der HTKW Leipzig im Studiengang Soziale Arbeit das Wahlpflichtmodul „Internationale Kinder- und Jugendarbeit“ im WS 19/20 an.

Darüber hinaus bringen wir uns seit drei Jahren in die Diskussionen bei Forschung und Praxis im Dialog mit ein. Dieses Dialogformat wird vom transfer e.V. in Köln gestaltet und hat wesentliche Studien für das Feld, wie beispielsweise die Zugangsstudie.de oder die Panelstudie zu internationalen Jugendbegegnungen mit auf den Weg gebracht.

Abgesehen von diesen Projekten beraten wir selbstverständlich gerne Fachkräfte der Jugendarbeit und Jugendbildung und unterstützen bei der Entwicklung von internationalen Jugendbegegnungen.

wir weit weg – Geschichte eines Projektdurchlaufs

„Portugal war super. Ich habe mit meiner Mama gesprochen. Ich will jetzt das Abitur machen. Danach bin ich 18 und dann will ich einen Volunteer machen. Am liebsten dort in Lissabon“

(Maja (15), Teilnehmerin wir weit weg Helmholtz Oberschule 9. Klasse)

Im Herbst 2017 trafen sich 10 junge Erwachsene zwischen 19 und 28 und das hauptamtliche Koordinationsteam zu einem Vorbereitungswochenende. Alle wollten sich als Coach engagieren und im Laufe des kommenden Jahres in einem Zweierteam mit einer Gruppe Jugendlicher nachmittags, nach dem Unterricht an einer Oberschule eine internationale Jugendbegegnungen entwickeln. An diesem Wochenende machten sie sich mit dem Projekt vertraut und versuchten ein Gespür für die Aufgabe und die eigenen Gestaltungsspielräume zu entwickeln. Dazu gab es Einheiten zu Teambuilding und  Projektplanung sowie verschiedene theoretische Inputs rund um interkulturelles Lernen und Partizipation. Dabei wurden Methoden der non-formalen Bildung eingesetzt und auch immer auf der Metaebene auf ihre Einsatzmöglichkeiten in der Arbeit mit den Jugendlichen hin reflektiert. Wichtig war zudem, dass sich hier die Teams finden konnten und ein Group-spirit entstand. Coaches und Projektleitung trafen sich im Zuge des Projekts immer wieder gemeinsam zum Erfahrungsaustausch oder zu Schulungstagen zu Themen wie Förderanträge oder Organisatorische Fragen rund um Jugendbegegnungen.

Eindrücke vom Coachwochenende

Im Nachgang des Wochenendes hatten sich die Teams richtig gefunden und Teams und Schulen gematcht. Wenige Wochen später starteten standen die Coaches im Unterricht vor 8. Klassen an Oberschulen und stellten wir weit weg vor. Mit einem Film von einer Jugendbegegnung  und meist einer persönlichen Geschichte: Warum macht mir internationale Jugendarbeit Spaß und warum möchte ich mit euch eine internationale Jugendbegegnung auf die Beine stellen?” So versuchten die Coaches die Schülerinnen und Schüler für das Projekt zu begeistern. Beim ersten offenen Gruppentreffen, meist in der folgenden Woche,  tauchten dann in der Regel viele Neugierige auf. Oft kamen zu den ersten Treffen zwischen 20 und 40 Jugendlichen. Als die Jugendlichen merkten, dass das Projekt mit “Arbeit” verbunden ist, schrumpfte die Gruppe in der Regel auf eine arbeitsfähige Größe von 8 bis 15 Personen.

In den ersten Gruppentreffen ging es darum, sich untereinander kennenzulernen, Regeln für das Miteinander zu entwickeln und Spaß zu haben. All dies aber immer hergeleitet von dem Ziel gemeinsam eine internationale Jugendbegegnung zu gestalten. Nachdem das Miteinander etabliert war, stellten die Coaches vor, in welchen Ländern wir Partnerorganisationen haben. Die Jugendlichen wurden aufgefordert in Kleingruppen kleine Präsentationen zu den Ländern vorzubereiten. Falls sich Teilnehmende für ein ganz anderes Land interessierten, konnten sie auch dieses vorstellen. Nur in Europa sollte es sein, weil das die Finanzierung und Reiseorganisation mit Minderjährigen deutlich leichter macht. Dies wurde auch immer transparent kommuniziert. Nach den Länderpräsentation kam es dann zur großen Abstimmung in welchem Land die Jugendbegegnung idealerweise stattfinden soll. Die Wahlmethoden variierten von einer geheimen Urnenwahl bis hin zum Konsensualisieren. Manchen Caches gelang es  auch diese Abstimmungsmethoden mit den Jugendlichen zu reflektieren. Dann war es ein sehr schönes Beispiel für gelungene Demokratie Bildung.

„Dieses Projekt ist das beste was Euch in Eurem Leben passieren kann!“

(Frau Brauer, Stellvertretende Schulleiterin an der 56. Oberschule zu den Teilnehmenden bei einem der ersten wir weit weg Treffen der Generation 17/18)

Nachdem das Zielland klar war, ging es darum einen Partner vor Ort für das Projekt zu gewinnen. Hierbei unterstützte die Projektleitung wesentlich die Coaches. Parallel begannen die Coaches mit den Jugendlichen zu überlegen, welche Themen und Methoden in der Jugendbegegnung. Da die Jugendlichen, denen wir im Projekt begegneten, oft kaum Hobbies hatten, an die sich ohne weiteres anknüpfen ließ, wurden auch verschiedene Methoden und Tätigkeitsfelder vorgestellt. Gemeinsam wurde dann ein Programm für eine internationale Jugendbegegnung entwickelt. Da die Teilnehmenden stark in die Programmplanung eingebunden wurden, waren sie manchmal etwas eklektisch. Aber uns ging es um maximale Partizipation am Prozess und nicht um die unter didaktischen Kriterien beste Jugendbegegnung. Den Förderantrag auf Basis des entwickelten Programms und in Absprache mit dem/n Partnerorganisation/en im Ausland schrieben dann die Projektleitung zusammen mit den Coaches.

Unsere internationalen Partnerorganisationen

Als der Förderantrag eingereicht war, wurde erst mal gefeiert. Für die Gruppe begann jetzt allerdings die schwierigste Phase im Projekt. Das Warten und die Unsicherheit, ob die Begegnung finanziert werden würde. Die meisten Gruppen nutzten diese Zeit für einen etwas weniger engen Rhythmus der Gruppentreffen, zumal diese Zeit oft in die Semesterferien fiel. Um die Gruppe zusammenzuhalten und die anderen Lernziele zu erreichen, wurden in dieser Phase gemeinsame Aktivitäten durchgeführt, wie beispielsweise erlebnispädagogische Maßnahmen, Workshops zu den Themen Diversität und Diskriminierung oder aber auch mal ein Ausflug in die Kletterhalle oder einen Escape-Room. 

Wenn dann endlich die Nachricht mit der Bewilligung der Jugendbegegnung kam, machten sich Coaches, Gruppe und Projektkoordination an die Vorbereitung. Wie sollte die Reise ablaufen? Wo kommen wir unter? Was bringen wir in das Programm ein? Zum Teil stellten sich die Gruppen aus Deutschland und dem Ausland schon mal gegenseitig per Video vor. In der Regel traf sich in dieser Phase auch ein Coach zum vorbereitenden Planungsbesuch mit Teamern/Coaches der ausländischen Partnerorganisation. 

Die Jugendbegegnung

Dann war es schließlich so weit. Die Coaches und die Teilnehmenden trafen sich am Fernbus-Bahnhof. Wichtig, sich von allen die Reisedokumente zeigen lassen. Sonst muss noch jemand hinterher fahren, weil nicht alle mitfliegen können. Angekommen am Zielort warteten schon die anderen Jugendlichen gespannt. Erstes Begrüßen, Beobachten und Schauen. Nach dem Beziehen der Zimmer in der gemeinsamen Gruppenunterkunft erste Treffen mit Kennenlern und Teambuilding-Methoden. Die Tage der Begegnung sind von einem bunten Workshop-Programm geprägt: Klettern, Graffiti, Sprach-Animation, Theater, Stop-Motion-Videos, eine Straßenaktion zu Freundschaft in Europa, interkulturelles Picknick am Strand  und viele weitere Aktivitäten. So konnten die Teilnehmenden erleben, dass sie in kleinen internationalen Gruppen etwas können: eine Straßen-Kampagne auf die Beine stellen, eine Performance erarbeiten, ein Ziel trotz Hindernissen erreichen, ein Instrument aus Schrott produzieren können, obwohl alle nur eingeschränkt gut auf Englisch kommunizieren. Die abendlichen Feedbackrunden halfen das Programm an die Bedürfnisse der Gruppe auch noch spontan anzupassen. Gerade bei den Teilnehmenden mit geringen Englischkenntnissen erwiesen sich neben den sprachmittelnden Coaches verschiedene Übersetzungsapps auch als sehr hilfreich. Zum Ende gab es meist eine bunte Abschiedsparty, oft mit einer Talentshow.  Die Abschiede waren Tränenreich.

Eindrücke von den Begegnungen

Nach der Rückkehr dann die Nachbereitung zu Hause. Die Gruppe reflektiert mit den Coaches die Erlebnisse und dokumentiert sie, leistet einen Beitrag zur Erstellung des Nachweises für die Förderer und die Öffentlichkeitsarbeit. Dieser Prozess wird wesentlich von der Projektkoordination vorangetrieben. So eine Rück-Begegnung geplant ist, wird diese nun mit dem ausländischen Partner zusammen vorbereitet. Dabei bringen sich die Jugendlichen wieder in die Programmplanung ein.

 IJA wirkt! Auch bei Jugendlichen, die nicht das Abitur anstreben

Die Erzählung zeigt, wir weit weg ist ein Format der Jugendbildungsarbeit, das internationale Jugendarbeit mit Elementen der politischen Bildung, der kulturellen Bildung sowie der Erlebnis- und der Medienpädagogik kombiniert. Dabei richtet es sich an Jugendliche, die nicht das Abitur anstreben, und damit an eine Zielgruppe, die von fast allen dieser Felder der Jugendbildung bisher unterdurchschnittlich erreicht wird. 

Kern des Projekts sind wie beschrieben Treffen junger Erwachsener, die wir Coaches nennen, mit Jugendlichen nach dem Unterricht in der Schule. Gemeinsam entwickeln sie eine internationale Jugendbegegnung und führen diese durch. Im Zuge dieses Prozesses treffen die Teilnehmenden zusammen mit den Coaches möglichst viele Entscheidungen selber. Auf diese Weise wird die Partizipation der Jugendlichen maximiert. Die Jugendlichen erfahren Selbstwirksamkeit und erlernen grundlegende demokratische Entscheidungstechniken. Zudem erhalten die Jugendlichen Einblicke in die außerschulische Bildungslandschaft vor Ort.

wir weit weg förderten in den Jahren 2017 – 2019

die Begegnungen wurden finanziert von

„Fünf Jahre wir weit weg“ – Save the date: 19. November 2019

„Dieses Projekt ist das Beste, was Euch in Eurem Leben passieren kann!“ so die Worte einer stellvertretenden Schulleiterin, an deren Oberschule wir weit weg seit 2014 durchgeführt wird. Sie spricht für eine Reihe weiterer Personen, nicht zuletzt für die teilnehmenden Jugendlichen selbst, für die wir weit weg eine wunderbare Möglichkeit ist, die eigene internationale Jugendbegegnung zu entwickeln, eine erste Auslandserfahrung zu machen, in einer internationalen Gruppe an einem selbstgewählten Projekt zu arbeiten und außerschulische Jugendarbeit kennenzulernen.

In diesem Sinne wollen wir am 19. November 2019 auf die vergangenen fünf Projektjahre zurückblicken, mit ehemaligen und aktuellen Teilnehmenden, Coaches, Projektkoordinierenden, Schulpersonal und Interessierten ins Gespräch kommen und Zukunftsvisionen für die Weiterentwicklung von wir weit weg voranbringen. Mit dabei sind auch Partnerorganisationen aus sieben Ländern, die teilweise schon am Projekt beteiligt waren oder es in Zukunft sein wollen.

Wir laden Sie/Euch herzlich ein, den 19. November 2019 ab 10:00 Uhr zu reservieren und mit uns in der vdi-Garage in Leipzig „Fünf Jahre wir weit weg“ zu feiern und in Workshops in einen aktiven Austausch zu kommen.

Jahresrückblick Internationale Arbeit 2018:

Als Team der Internationalen Arbeit der KINDERVEREINIGUNG Leipzig e.V. brachten wir 2018 insgesamt 79 Jugendliche aus Leipzig, Frohburg (Leipziger Land) und Chemnitz mit 179 Jugendlichen aus anderen europäischen Ländern zusammen und begeisterten sie nachhaltig für internationale Jugendbegegnungen. Dies wollen wir auch im kommenden Jahr 2019 fortsetzen.

„Portugal war super. Ich habe mit meiner Mama gesprochen. Ich will jetzt das Abitur machen. Danach bin ich 18 und dann will ich einen Volunteer machen. Am liebsten dort in Lissabon“ – so fasst Maja, 15 Jahre und Teilnehmende bei der „wir weit weg“-Gruppe der Helmholtz-Oberschule in Leipzig ihre Eindrücke zusammen. Gemeinsam mit anderen Schülerinnen und Schülern ihrer Schule entwickelte sie eine internationale Jugendbegegnung und traf in Lissabon, portugiesische Jugendliche.

Ähnlich begeistert sind auch alle anderen 79 Teilnehmenden aus Leipzig, Frohburg (Leipziger Land) und Chemnitz. 2018 waren sie bei unseren zwei frei ausgeschriebenen internationalen Begegnungen dabei, bei einer Jugendbegegnung in Kooperation mit der Leipziger Helmholtz-Oberschule sowie bei fünf „wir weit weg“-Gruppen mit je einer internationalen Jugendbegegnung.

Die Jugendlichen trafen in Polen, Tschechien, Griechenland, Portugal, Irland, Frankreich und Finnland auf insgesamt 179 andere Jugendliche. Bei acht internationalen Jugendbegegnungen beschäftigten sich die Teilnehmenden mit Upcycling, Streetart, Bewegung und Tanz, Ernährung und einer gesunden Lebensweise, Nachhaltigkeit, Diversity und kultureller Herkunft. Sie nahmen Einblicke in den Alltag der jeweils anderen Jugendlichen und wurden nachhaltig für die internationale Jugendarbeit gewonnen, so, wie es Merhan, 16 Jahre, von der Oberschule Leipzig-Paunsdorf beschreibt:

„Ich bin so froh, dass ich über „wir weit weg“ von Internationalen Jugendbegegnungen erfahren habe. [Die internationale Jugendbegegnung] „Upcycle your life“ hat unheimlich viel Spaß gemacht und es waren so tolle Leute dabei. Später will ich auch mal in dem Feld arbeiten.“

Qualitätssicherung und Anerkennung

Auch unser Arbeitsalltag hat einen internationalen Aspekt: Die Europäische Freiwillige Claudia aus Spanien unterstützt uns seit Oktober im Büro und bleibt hier für ein Jahr. Um die inhaltliche Qualität der Projekte aufrechtzuerhalten und stetig zu verbessern, haben sich außerdem fünf unserer Teamerinnen und Teamer auf Malta und in Belgien bei zwei Trainings methodisch und inhaltlich weitergebildet und Kontakte geknüpft. Wir waren bei zahlreichen Vernetzungstreffen des SALTO Youth Net, bei Trainings des Deutsch-Polnischen Jugendwerks, der Initiative „Austausch macht Schule“ und dem Netzwerk „Forschung und Praxis im Dialog“ (FPD) dabei. Wir hosteten das Netzwerkstreffen der Internationalen Innofonds-Projekte des Kinder- und Jugendplans des BMFSFJ sowie ein Peer to peer-Werkstatt von FPD.

Eine besondere Anerkennung unserer Arbeit, speziell des Projekts „wir weit weg“, stellt für uns die Förderung der Robert Bosch Stiftung dar, die uns eine Teilzeitstelle im Bereich Fundraising und Öffentlichkeitsarbeit bis Ende 2019 und eine wissenschaftliche Evaluation der bisherigen „wir weit weg“-Ergebnisse finanziert.

Ausblick 2019

Diese Erfolge aus 2018 sind für uns die größte Motivation, auch im kommenden Jahr 2019 unseren Kalender wieder voll zu packen: Es wird voraussichtlich vier Rückbegegnungen der „wir weit weg“-Projekte aus 2018 geben (drei davon sind bereits bewilligt), eine internationale Jugendbegegnung, die wir mit der Helmholtz-Oberschule durchführen, eine internationale Jugendbegegnung mit Serbien und Belgien, die ehemalige „wir weit weg“-Teilnehmende maßgeblich mitgestalten sowie eine weitere frei ausgeschriebene Jugendbegegnung. Außerdem wird es eine neue „wir weit weg“-Generation an drei Oberschulen in Leipzig geben.

Zur weiteren Qualitätssicherung und Netzwerkarbeit organisieren wir einen Evaluationsworkshop unseres „wir weit weg“-Projekts am 28. Juni 2019 in Leipzig (save the date!), zu dem wir Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Fachöffentlichkeit und interessierte Träger der Kinder- und Jugendhilfe und internationalen Jugendarbeit einladen, um gemeinsam mit uns auf dann bereits fünf Jahre „wir weit weg“ zu blicken. Wir wollen die wissenschaftliche Evaluation des Projekts durch den Lehrstuhl Medienkompetenz- und Aneignungsforschung der Uni Leipzig präsentieren und die Höhen und Tiefen des Projekts analysieren.

Träger und Organisationen, die sich vorstellen können, „wir weit weg“ in ihre Einrichtung zu holen, bekommen bei dem Evaluationsworkshop Anregungen und Kontakte und, das streben wir an, eine erste Fassung unseres Schulungs-Handbuchs, welches die Übertragung von „wir weit weg“ in andere Kontexte ermöglichen soll und an dem wir aktuell bereits arbeiten.

Frohe Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr!

So bleibt uns nur noch, Ihnen/Euch allen frohe Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr zu wünschen. Unseren Partnerorganisationen, Coaches, Teamenden, Förderern (Amt für Jugend, Familie und Bildung der Stadt Leipzig, Innovationsfonds des Kinder- und Jugendplans des BMFSFJ, Erasmus+ JUGEND IN AKTION, Robert Bosch Stiftung, Deutsch-Polnisches Jugendwerk, Deutsch-Französisches Jugendwerk, Landesdirektion Sachsen) und Unterstützerinnen und Unterstützern danken wir für die Zusammenarbeit und freuen uns auf kommende Kooperationen. Möge Ihr/Euer kommendes Jahr ebenso vielfältig und reich an (internationalem) Austausch sein, wie es das unsere zu werden verspricht.

Herzlich, das Team Internationale Arbeit der KINDERVEREINIGUNG Leipzig e.V.

Christian Schmidt-Rost, Alexandra Zagler, Fina Wiese, Sarah Christl, Babette Pohle, Claudia Jamie