End global warming! Eine trilaterale Jugendbegegnung in Finnland

Hallo an alle, hier ist Sander!

Ich bin gerade zurück nach Leipzig gekommen, nach ein paar Tagen in Finnland, wo wir ein Projekt über Klimaschutz hatten, wo ich teilgenommen habe. Es war eine sehr schöne Erfahrung, und ich glaube, dass was wir gemachen haben, kann ich euch auf unser Website erzählen.

Am dritten Januar, habe ich und die anderen deutschen Teilnehmenden unsere Reise nach Tampere, Finnland gestartet. Unsere Startpunkte waren Hauptbahnhof Leipzig, wo wir mit dem Bus nach Berlin Tegel gefahren sind. In Berlin Flughafen haben wir ein bisschen gewartet, bevor wir unseren Flug nach Finnland antraten. Von dem Flughafen in Helsinki sind wir mit einem Bus nach Tampere gefahren, und nach zwei Stunden in dem Bus waren wir in Tampere. Wir sind in der Nacht angekommen, und wir waren alle ganz müde, und alle sind schnell schlafen gegangen.

Zum Glück, haben wir am nächsten Tag erst um 13:00 Uhr angefangen, so konnten alle lange schlafen. Nach schlafen und essen waren wir alle bereit für das Projekt, und weil wir viele Teilnehmende aus verschiedenen Ländern waren, haben wir viele Namensspiele gespielt. Der Ort, an dem wir zum ersten Mal übernachteten, lag etwas außerhalb der Stadt. Der Ort hatte viel schöne Natur, und zu unserer Freude gab es auch Schnee!
An dieser Stelle befand sich auch eine Sauna direkt am See. Die Teilnehmenden, die das mochten, konnten fast jeden Tag in die Sauna gehen, und viele Leute haben die Sauna benutzt. Die tapfersten konnten sich sogar in den See eintauchen, bevor sie wieder in die Sauna liefen.

Wir hatten auch unserer kulturellen Abende an diesem Ort, und jedes Land hatte jeweils einen Abend, um über ihr Land zu erzählen. Jeder machte die Präsentation anders, und es gab uns die Möglichkeit, mehr über das Land des anderen zu lernen. Mit den kulturellen Abenden folgte auch traditionelles Essen, und es war aufregend und lustig, traditionelles Essen aus verschiedenen Ländern zu probieren.

Was ich, als ein Norweger, ein bisschen komisch fand, war das Essen. In Norwegen ist es ganz normal, Mittag um 16:00-17:00 Uhr zu essen. Die Teilnehmenden aus Finnland erzählten mir, dass es auch normal in Finnland ist, und in dem Projekt hatten wir essen um 17:00 Uhr. Es war auch immer eine vegetarische und vegane Optionen, für die Leute die kein  Fleisch essen, und alle waren glücklich.

Vegetarisches Essen war auch ein wichtiges Thema in dem Projekt, und wir haben viel darüber gesprochen, wie schlecht Fleisch-produktion für die Welt ist. Ein anderes wichtiges Thema in dem Projekt war fast-fashion, Recycling, Lebensmittelverschwendung, Plastik und klimafreundliches Reisen. Wir haben viel über diese verschiedenen Themen gelernt, und die Themen waren auch ein wichtiger Teil auf unser Veranstaltung, die wir am letzten Tag in Tampere machen sollten.

Die Teilnehmer teilten sich in Gruppen auf, in denen sie wählen konnten, wie sie arbeiten wollten. Eine Gruppe drehte einen Film über Plastik und Recycling, andere schrieben über die Klimasituation in Griechenland, Deutschland und Finnland, während einige ein Quiz machten, um diejenigen herauszufordern, die beschlossen, zu unserer Veranstaltung zu kommen.

Ein paar Tage vor unserer Veranstaltung, sind wir ins Stadt-Zentrum von Tampere gefahren, wo wir in einem Hostel wohnten. Es war sehr schön, und wir waren zentral gelegen, mit kurzer Entfernung zum Jugendzentrum und den Geschäften. An unserem ersten Tag hatten wir viel Freizeit, und es war eine schöne Gelegenheit zu shoppen.

Ein Ding fand ich echt cool, dass wir früher im Projekt über fast-fashion gesprochen haben, und, dass die Kleider-Industrie sehr schlecht für das Klima ist. Viele Leute hatten niemals früher einen Second-Hand-Shop besucht, aber wir fanden einen in Tampere, und fast alle Leute waren in dem Laden, und viele Teilnehmende kauften neue Klamotten für einen günstigen Preis.

An unserem letzten Tag hatten wir die Veranstaltung, die wirklich gut lief! Viele Jugendliche aus Tampere und der Jugendrat von Tampere waren angereist. Jede Gruppe präsentierte ihre Arbeit und es war wirklich cool zu sehen, wie viel sie gelernt hatten und wie kreativ sie mit ihren verschiedenen Beiträgen waren. Wie bereits erwähnt, machten einige Gruppen ein Video, andere ein Quiz, und wir sammelten alle Plastik, die wir an diesem Tag verwendeten, für die Veranstaltung, und legten alles in die Mitte des Bodens. Viele Jugendliche fanden die Menge an Plastik schockierend und es war eine schöne Erinnerung daran, wie viel unnötiges Plastik wir in unserem täglichen Leben verwenden.

Nach der Veranstaltung versammelten sich alle Leiter und Teilnehmer zu einem Treffen über den Ablauf. Es war ziemlich klar, dass die Teilnehmer den Jugendaustausch mochten und dass sie einen neuen machen wollten, so dass alle Leiter den Raum verließen und die Teilnehmer dann 30 Minuten Zeit hatten, einen neuen Jugendaustausch für sich zu entwerfen. Als wir zurückkamen, hatten sie wirklich gute Arbeit geleistet, und Liisa (die Leiterin des gesamten Projekts) sagte, dass sie versuchen würde, sich für eine neue zu bewerben, und das zur Aufregung vieler! Danach setzten wir uns alle in einen großen Kreis, und jeder hatte die Gelegenheit, über etwas zu erzählen, was er gelernt hatte. Die Youthpasses wurden auch ausgegeben, und am Ende bekamen wir alle ein Blatt Papier, die wir auf unserem Stuhl liegen lassen konnten, und die Leute konnten sich dann gegenseitig etwas Nettes schreiben.

Nach unserem Treffen, war das Einzige bevor wir abfuhren, unser Abschiedsparty. Es war auch im finnischen Jugendzentrum, und die Leute konnten machen was sie wollten. Manche haben getanzt, manche spielten Karten, manche spielten Billard und manche redeten nur. Es gab auch Snacks und Saft für diejenigen, die wollten, und es war eine schöne Möglichkeit, den großen Jugendaustauch zu beenden.

Unser Bus fuhr nachts um 03:00 Uhr von unserer Herberge ab, sodass diejenigen, die wollten, bis 01:30 Uhr im Jugendzentrum bleiben konnten, während diejenigen, die müde waren, zur Herberge gehen konnten, um etwas Schlaf zu finden. Wir alle kamen schließlich zum Hostel, packten unsere letzten Sachen und bereiteten uns darauf vor, uns von den Finnen zu verabschieden. Viele Leute fanden es herausfordernd, weil sie viele gute Freunde gefunden hatten, und es war amüsant zu sehen, wie gute Freundschaften wir während unseres Aufenthalts geschlossen hatten.

Schließlich fuhr uns unser Bus zum Flughafen, und am Flughafen trennten wir uns von den Griechen. Wir sind dann in Richtung Berlin geflogen und von Berlin aus mit dem Bus zurück zum Leipziger Hauptbahnhof gefahren, wo auch unsere Reise begann.

Ich muss sagen, dass dies vielleicht das Beste war, was ich in meinem ESC-Projekt gemacht habe. Es war eine erstaunliche Erfahrung, und ich habe viel Wissen gesammelt und viele neue Freundschaften geschlossen. Es ist eine Erfahrung, auf die ich nicht verzichten möchte, und ich bin wirklich dankbar, dass ich die Möglichkeit habe, daran teilzunehmen.

Die trilaterale Jugendbegegnung “End Global Warming” ist im Rahmen des Projekts wir weit weg entstanden und fand vom 3.-12. Januar 2020 in Tampere, Finnland statt. Sie wurde finanziert durch Erasmus+ JUGEND IN AKTION.

Gäste aus der Ukraine

Text: Matthias Heinz (Geschäftsführer KINDERVEREINIGUNG Leipzig e.V.)

Vom 7. bis 10. Dezember besuchte eine Delegation unserer ukrainischen Partner, welche, wie die KINDERVEREINIGUNG Leipzig e.V. auch, Mitglied der europäischen Dachorganisation EAICY sind, Einrichtungen unseres Vereins. Teilnehmende waren eine Professorin der Akademie der Wissenschaften der Ukraine, der Direktor des staatlichen Zentrums für außerschulische Bildung der Ukraine, ein Vertreter des Bildungsministeriums des Landes und ein Vertreter einer außerschulischen Einrichtung.

Gemeinsam wurden Perspektiven für die weitere Zusammenarbeit und Erfahrungen in der Methodik der Sozialarbeit in Kinder-und Jugendeinrichtungen ausgetauscht. In einer sehr anregenden Arbeitsgesprächsrunde informierten sich beide Seiten darüber hinaus über die Strukturen der Bildungs-und Jugendhilfesysteme der beiden Länder. Die ukrainischen Gäste waren sehr dankbar dafür, mit Erzieher*innen und Sozialpädagog*innen unseres Vereins vor Ort ins Gespräch zu kommen.

Ein wichtiger Gesprächspunkt war die Gewinnung und Ausbildung von Fachkräften der sozialen Arbeit sowie ein anzustrebender Fachkräfteaustausch. Für den April 2020 wurde bereits jetzt ein Gegenbesuch einer kleinen Delegation unseres Vereins in Kiew abgesprochen, bei denen der begonnene Dialog und der Weg der Zusammenarbeit fortgesetzt werden sollen.

Neben der Bearbeitung der zahlreichen Arbeitsthemen und den Besuchen in Einrichtungen der KINDERVEREINIGUNG Leipzig e.V. blieb auch noch etwas Zeit, die Innenstadt von Leipzig mit Weihnachtsmarkt, das Völkerschlachtdenkmal und auch kulturelle sowie kulinarische Spezialitäten der Stadt Leipzig kennen zu lernen.

Für die Unterstützung bei der Realisierung des sehr erfolgreichen Besuches der ukrainischen Delegation möchten wir uns bei folgenden Kolleg*innen und Partnern der KINDERVEREINIGUNG Leipzig e.V. sehr herzlich bedanken:

Sylke Kirst (GS), Kristina Apitz (Kita „Kleine Füchse), Babette Pohle (Internationale Arbeit), Jacob Gloger (GS), Peter Wetzel (Vorstand), Christian Schmidt-Rost (Internationale Arbeit), Annegret Narr, Benjamin Schwarz (beide OS Paunsdorf), Jochen Janus (Kulturwerkstatt KAOS), der Schulleitung der OS Paunsdorf und dem Vorstand des Inspirata e.V.

Inhalt trifft Form: Multilaterales Fachkräftetraining zu partizipativer Jugendarbeit

Was verstehen wir unter partizipativer Jugendarbeit? Was braucht es dafür und was ist der Mehrwert? Und wie können wir partizipatives Arbeiten in unseren Alltag integrieren? Beim multilateralen Fachkräftetraining „Let Youth Take Control“, welches vom 17. bis 22. November 2019 in Naunhof bei Leipzig stattfand, wurden einige Definitionen erarbeitet und weitere Kooperationsprojekte angestoßen.

“Wir sind uns darüber im Klaren, dass Partizipation von jedem und jeder hier anders verstanden wird. Darum suchen wir nach den gemeinsamen Anknüpfungspunkten“, so Jenna aus Virrat, Finnland und Teilnehmerin beim multilateralen Fachkräftetraining „Let Youth Take Control“. Insgesamt 28 Lehrerinnen, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, ehrenamtliche Jugendgruppenleiterinnen und Jugendgruppenleiter sowie Projektkoordinierende aus Portugal, Spanien, Frankreich, Deutschland, Polen, Finnland, Griechenland und Malta beschäftigten sich bei “Let Youth Take Control” mit den Möglichkeiten der partizipativen Gestaltung von internationaler und lokaler Jugendarbeit. Dazu glichen sie zu Beginn die eigenen Vorstellungen und Definitionen von Partizipation ab.

Folgende Definition von Partizipation haben die Teilnehmenden in Gruppen erarbeitet: „Partizipation ist ein gemeinsamer Prozess, bei der die Beteiligten freiwillig an einer Sache auf ein Ziel hinarbeiten. Dieser Prozess ist charakterisiert durch Eigeninitiative, Entscheidungsfindung, Kreativität, Zusammenarbeit und Vertrauen. Durch diesen Prozess werden die Beziehungen in der Gruppe gestärkt, der Prozess macht Spaß und geht mit unterschiedlichen Lernerfahrungen einher. Er bringt Veränderungen, Innovationen, neue Ideen und Problemlösungen mit sich.“

Wie integrieren wir Partizipation in unsere tägliche Arbeit?

Im nächsten Schritt sollte es darum gehen, den Jugendlichen, mit denen die Teilnehmenden des Trainings täglich zu tun haben, Partizipation zu ermöglichen. „All die Jahre haben wir uns auf das Ergebnis, die internationale Jugendbegegnung konzentriert. Doch wäre es für mich viel interessanter, den Fokus auf den Entstehungsprozess zu legen und die Jugendlichen darin einzubinden. Ich bin überzeugt, dass auf diese Weise die Jugendbegegnung viel nachhaltiger wird“, fasst Smaro aus Thessaloniki, Griechenland, ihre Intensionen zur Entwicklung partizipativer Projekte zusammen.

In einem Open Space fanden sich Arbeitsgruppen, die gemeinsam Projekte zu ihren konkreten Anliegen entwickelten.

Entstanden sind

  • eine Kooperation, die in einem weiteren Fachkräfteseminar in Malta Projekte zu lokaler partizipativer Jugendarbeit entwickeln wird;
  • eine Kooperation aus Portugal, Finnland, Polen, Griechenland und Deutschland, die in einer Strategischen Partnerschaft Best Practice von internationaler partizipativer Jugendarbeit austauschen will und das anhand der bestehenden Projekte „Star of Europe“ aus Finnland und „wir weit weg“ aus Deutschland;
  • und eine Kooperation aus Griechenland und Finnland, die eine partizipative internationale Jugendbegegnung entwickeln will.

Grenzen und Chancen von Partizipation

Problematisch sahen einige Teilnehmende die unterschiedlichen Auffassungen von Partizipation, die sie in ihren Herkunftsländern vorfinden und so auch bei den Nationalagenturen, wenn es darum geht, gemeinsam mit anderen Ländern internationale Austauschprojekte zu machen. So fragte sich Jenna: „Wie können wir zusammen Projekte entwickeln, wenn die Entscheidungen über die Projektanträge bei den Nationalagenturen liegen, die in jedem Land andere Ansprüche haben und andere Regeln vorgeben?“

Diese Hürden zu thematisieren und vielleicht ein Stück weit aus dem Weg zu räumen, haben sich die oben genannten entstandenen Kooperationen zur Aufgabe gemacht. Insgesamt zeigten sich die Teilnehmenden jedoch sehr angetan vom partizipativen Arbeiten als solchem: „Wir haben im Prinzip auf zwei Ebenen gearbeitet. Wir haben inhaltlich über Partizipation gesprochen, durch die Form des Open Space haben wir aber gleichzeitig auch eine Methode von Partizipation erlebt und kennengelernt. Das war großartig“, so Camille aus Paris, Frankreich.

Das multilaterale Fachkräftetraining “Let Youth Take Control” wurde gefördert von Erasmus+ JUGEND IN AKTION.

Fünf Jahre wir weit weg – das war die Geburtstagsfeier

Am 19. November trafen 120 ehemalige und aktuelle Projektbeteiligte von wir weit weg auf der „Fünf Jahre wir weit weg‘“-Geburtstagsparty zusammen. Sie tauschten sich darüber aus, welchen Mehrwert das Projekt und die internationalen Jugendbegegnungen für sie hatte und dachten über die zukünftige Entwicklung nach. Allen gemeinsam war die Faszination darüber, welchen Umfang wir weit weg mittlerweile hat.

„Es ist beeindruckend zu sehen, was alles an dem Projekt dranhängt, wie viele Menschen. Man glaubt das ja gar nicht, an der eigenen Schule ist es halt die kleine Gruppe von Schülerinnen und Schülern und die beiden Coaches“, zeigte sich Liska, wir weit weg-Teilnehmende der Diesterweg-Oberschule Chemnitz, begeistert von der Veranstaltung.

Wie prägend und zuträglich Erfahrungen in der internationalen Jugendarbeit für die berufliche Laufbahn sein können, machte Albert Klein-Reinhardt, Referent für Europäische und internationale Jugendpolitik im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, am eigenen Beispiel fest: „Als ich mich innerhalb des Ministeriums auf die Stelle beworben habe, die ich jetzt ausfülle, wurde ich unter anderem gefragt, was ich denn an Kenntnissen und Erfahrungen im Arbeitsfeld der Kinder- und Jugendhilfe mitbrächte. Da ich kein Jurist bin, erwähnte ich unter anderem, dass ich früher internationale Jugendbegegnungen organisiert und geleitet habe. Wie man heute sieht, wurde entschieden, dass ich der Richtige für diese Stelle sei.“

Fünf Jahre, 120 Jugendliche, sieben Oberschulen, 13 internationale Jugendbegegnungen

Seit Projektbeginn 2014 haben etwa 120 Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren an fünf Leipziger Oberschulen, einer Oberschule in Chemnitz und an der Oberschule Frohburg insgesamt acht internationale Jugendbegegnungen im Ausland entwickelt und durchgeführt. Dazu gab es fünf Rückbegegnungen in Deutschland. Unterstützung bei der Organisation erhielten die Jugendlichen durch jeweils zwei ehrenamtliche Jugendgruppenleiterinnen und Jugendgruppenleiter (die Coaches International) und die hauptamtliche Projektkoordination der KINDERVEREINIGUNG Leipzig e.V.

Bei einer internationalen Jugendbegegnung treffen sich Gruppen von Jugendlichen aus mindestens zwei Ländern für etwa zehn Tage, um gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten. „Fast Feet Slow Food“ war eine der internationalen Jugendbegegnungen, die im Rahmen von wir weit weg entstanden ist. Sie fand 2018 in Griechenland statt, die Rückbegegnung führten die Jugendlichen zusammen mit ihren beiden Coaches 2019 in Leipzig durch. Thematisch drehte sich alles um gesunden Lebensstil, Ernährung und Sport.

„Die Zeit in der internationalen Gruppe hat mich sehr geprägt. Ich war sonst in so größeren Gruppen immer eher zurückhaltend am Anfang. Das Projekt hat mich mutiger gemacht. Später würde ich auch gern als Coach tätig sein“, beschreibt Maja Schreiber, Schülerin an der Helmholtz-Oberschule Leipzig, ihre Erfahrungen, die sie während der Teilnahme am Projekt wir weit weg von 2017-2019 gemacht hat.

„Das Beste: Dieses Projekt ist ein Selbstläufer“

„Wir sind sehr froh und glücklich, dass das Projekt an unserer Schule ist und dass wir so den Schülerinnen und Schülern ermöglichen können, ins Ausland zu reisen, Leute kennenzulernen, die sie auf einer Urlaubsreise nicht kennengelernt hätten, dass sie die Reisen selbst organisieren und ihre Teilnahme vom eigenen Engagement und nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängt“, fasst es Frau Noseck, Schulleiterin an der Helmholtz-Oberschule Leipzig zusammen.

Henrik Starke, Schulleiter der 56. Oberschule Leipzig ergänzt: „Das Beste an dem Projekt ist, dass die Schule damit fast nichts zu tun hat. Wir öffnen die Türen, stellen den Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern her und stellen die Räumlichkeiten. Ansonsten ist das Projekt ein Selbstläufer.“

Dieser Faktor ist beiden wichtig, wenn es für Träger der außerschulischen Jugendarbeit darum geht, mit Schulen zusammenzuarbeiten. Lehrerinnen und Lehrer sowie Schulleitungen haben im Schulalltag wenig Zeit, sich um zusätzliche Angebote an ihren Schulen zu kümmern. Wenn ein Projekt für das Ganztagsangebot dann nahezu „von allein“ läuft, ist das für eine Kooperation sehr zuträglich.

Ein weiterer wichtiger Punkt für das Gelingen des Projekts ist die Rolle der Coaches. An der Schnittstelle zwischen den jugendlichen Teilnehmenden und der Projektkoordination sind sie mit der direkten Projektumsetzung betraut. Eine gute Beziehung zu den Jugendlichen ist das A und O, wie Janina Rüther es beschreibt, die Coach an der Diesterweg-Oberschule Chemnitz war: „Das Spannende daran war, dass wir, die Coaches, eine Autorität gegenüber den Jugendlichen hatten, aber trotzdem ihre Freunde waren. Ich kann dieses Projekt daher jedem weiterempfehlen, der auch so einen guten Einblick in internationale Jugendarbeit gewinnen will.“

Ein Ansatz, der Verbreitung finden soll

Auch anwesend beim fünfjährigen Jubiläum des Projekts waren Partnerorganisationen aus sieben Ländern. Aneta Dawidziuk von der Associação Spin in Lissabon, Portugal, zeigte sich sehr begeistert vom wir weit weg-Ansatz. Ihre Organisation war Partner bei einer internationalen Jugendbegegnung, die 2017 bis 2018 im Rahmen von wir weit weg entstanden war: „Wir haben unsere Jugendlichen aus der Nachbarschaft ins Projekt integriert. Sie leben oft unter erschwerten Bedingungen, haben es nicht so leicht. Viele von ihnen saßen noch nie in einem Flugzeug, hatten ihren Heimatort noch nie verlassen. Die Wirkung auf sie war unglaublich. Da waren Leute dabei, die sich noch nie für irgendetwas Gesellschaftspolitisches interessiert haben. Sie kamen zurück und wollten plötzlich in ihrer Nachbarschaft aktiv werden.“

Im Nachgang der Geburtstagsfeier wollen Organisationen aus Portugal, Finnland, Griechenland und Polen nun eine Strategische Partnerschaft entwickeln, um sich intensiver zu Best Practices der partizipativen internationalen Jugendarbeit am Beispiel von wir weit weg auszutauschen.

Die Finanzierung ist eine der wichtigsten Gelingensbedingungen für wir weit weg

Damit ein solches Projekt wie wir weit weg, welches maßgeblich von einem Träger der außerschulischen Jugendarbeit koordiniert und durchgeführt wird, langfristig und erfolgreich funktionieren kann, braucht es vor allem eines: strukturelle Förderung durch verlässliche Finanzierung. Dies legt vor allem die wissenschaftliche Evaluation durch die Medienkompetenz- und Aneignungsforschung dar, als es um die Gelingensbedingungen des Projekts ging: „Im Hinblick auf die Projektumsetzung ergab die Auswertung, dass der inhaltlichen sowie organisatorischen Vorbereitung der Gruppentreffen und des Programms bei der Jugendbegegnung eine entscheidende Rolle zukommt. Daher sollten bei der Planung des Projektes genügend zeitliche und finanzielle Ressourcen eingeplant werden, um alle Projektinhalte, mit Blick auf die Bedürfnisse der Zielgruppe, inhaltlich sowie didaktisch gestalten zu können“, so Julia Nickel und Jasmin Röder im Auswertungsbericht zur Evaluation des Projekts.

Dass durch die Coaches viel ehrenamtliche Arbeit geleistet wird, ist klar. Ohne dieses Engagement wäre das Projekt auch nicht möglich. Jedoch wäre es aus rein ehrenamtlicher Kraft nicht zu stemmen, wie auch Bernd Böttcher von der Initiative Austausch macht Schule darlegt: „Hochachtung vor dem Anteil an ehrenamtlichem Engagement, der bereits jetzt im Projekt steckt. Ich halte es für schwierig, eine anhaltend hohe Qualität bei drastischer Kostensenkung bieten zu wollen. Das wird nicht funktionieren und müsste am Ende durch viel unbezahlte Arbeit kompensiert werden.“

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter: https://wirweitweg.org

Das Projekt wir weit weg wird gefördert vom Amt für Jugend, Familie und Bildung der Stadt Leipzig, dem Innovationsfonds des Kinder- und Jugendplan des Bundes (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend), sowie der Robert Bosch Stiftung. Die meisten im Projekt entstehenden internationalen Jugendbegegnungen werden gefördert von Erasmus+ JUGEND IN AKTION.

Fünf Jahre wir weit weg – Erfolgreiche Internationale Jugendarbeit an sieben Oberschulen

Das Projekt der internationalen Jugendarbeit wir weit weg wird fünf Jahre alt. Am 19. November 2019 findet die Geburtstagsfeier von 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr in der vdi – GaraGe in Leipzig statt. Mit dabei: über 100 Projektbeteiligte aus Deutschland und sieben europäischen Partnerländern, Förderer sowie Vertreter*innen von Schulen und Stadtverwaltung.

„Portugal war super. Ich habe mit meiner Mama gesprochen. Ich will jetzt das Abitur machen. Danach bin ich 18 und dann will ich einen Volunteer machen. Am liebsten dort in Lissabon“, berichtete Maja, damals 15 Jahre alt, begeistert. Sie war 2017 bis 2019 Teilnehmerin des wir weit weg-Projekts und hat, zusammen mit acht weiteren Mitschülerinnen und Mitschülern der Helmholtz-Oberschule Leipzig eine internationale Jugendbegegnung entwickelt und 2018 in Portugal durchgeführt.

Fünf Jahre, 120 Jugendliche, sieben Oberschulen, 13 internationale Jugendbegegnungen

Seit Projektbeginn 2014 haben etwa 120 Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren an fünf Leipziger Oberschulen, einer Oberschule in Chemnitz und an der Oberschule Frohburg insgesamt acht internationale Jugendbegegnungen im Ausland entwickelt und durchgeführt. Dazu gab es fünf Rückbegegnungen in Deutschland. Unterstützung bei der Organisation erhielten die Jugendlichen durch jeweils zwei ehrenamtliche Jugendgruppenleiter*innen und die hauptamtliche Projektkoordination der KINDERVEREINIGUNG Leipzig e.V.

Bei einer internationalen Jugendbegegnung treffen sich Gruppen von Jugendlichen aus mindestens zwei Ländern für etwa zehn Tage, um gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten. „Fast Feet Slow Food“ war eine der internationalen Jugendbegegnungen, die im Rahmen von wir weit weg entstanden ist. Sie fand 2018 in Griechenland statt, die Rückbegegnung führten die Jugendlichen zusammen mit ihren beiden Coaches 2019 in Leipzig durch. Thematisch drehte sich alles um gesunden Lebensstil, Ernährung und Sport.

„Wir erreichen mit wir weit weg eine unterrepräsentierte Zielgruppe“

„Das Projekt wir weit weg zeigt seit fünf Jahren, dass es möglich ist, mit internationaler Jugendarbeit Jugendliche zu erreichen, die nicht das Abitur anstreben. Diese Zielgruppe ist in dem Feld bisher unterrepräsentiert“, so Christian Schmidt-Rost, Projektleiter der Internationalen Jugendarbeit bei der KINDERVEREINIGUNG Leipzig e.V. „Ausschlaggebend für den Projekterfolg ist die Kooperation von Schule und Trägern der außerschulischen Jugendbildung, die kontinuierliche Arbeit mit der Gruppe über einen längeren Zeitraum und die Möglichkeit, dass die Jugendlichen viele Entscheidungen selbst treffen. Sie wählen zum Beispiel das Zielland selbst und auch das Thema und das Programm gestalten sie“, so Christian Schmidt-Rost weiter.

Die Jugendlichen nehmen aus dem Projekt wir weit weg ein gestärktes Selbstwertgefühl mit, verbessern ihre Fremdsprachen- und Projektmanagement-Kenntnisse, machen zum Teil ihre erste Auslandserfahrung, bauen Vorurteile ab. Die ehrenamtlichen Coaches – meist Studierende – sammeln wertvolle Berufserfahrungen. Für die Schulen bedeutet das Projekt die Erweiterung ihres Ganztagsangebots und eine Internationalisierung des Schulalltags.

Am 19. November blicken wir auf all die Errungenschaften zurück und werfen auch einen Blick nach vorn – denn das ist für all die Beteiligten klar: Das Projekt muss weitergeführt werden und es sollen noch viele Jugendliche davon profitieren.