KINDERVEREINIGUNG Leipzig e.V. teilt Wissen zur internationalen Jugendarbeit

Das Projekt Internationale Jugendarbeit hat in den vergangenen Jahren Fachwissen im Bereich der partizipativen internationalen Jugendarbeit gesammelt. Dieses teilen wir in verschiedenen Kontexten. Denn wir wollen mehr Fachkräfte ermutigen in das Feld der internationalen Jugendarbeit einzusteigen und mehr Jugendlichen ermöglichen Erfahrungen in pädagogisch begleiteten Mobilitätsmaßnahmen zu machen.

Konkret brachte sich Christian Schmidt-Rost in die Erstellung des Massive Open Online Course zur Organisation von internationalen Jugendbegegnungen des IJAB e.V. Fachstelle der Bundesrepublik Deutschland ein. „Dass wir zu diesem bundesweit wahrgenommenen Online-Kurs betragen durften, ist ein Zeichen für die Qualität unserer Arbeit“, zeigt sich Kristin Sroka, Fachbereichsleiterin Jugendarbeit KINDERVEREINIGUNG Leipzig e.V.  angetan.

Die gesammelten Erfahrungen mit der Entwicklung von internationalen Jugendbegegnungen mit Jugendlichen werden zudem in einem Fachbuch dokumentiert, das 2020 im Wochenschau Verlag erscheinen wird. Der Arbeitstitel ist „Internationale Jugendbegegnungen partizipativ gestalten“. Dabei nimmt das Autorenteam (Babette Pohle, Jessica Reinsch, Diana Tillmann und Christian Schmidt-Rost) multiperspektivisch in den Blick und bietet auch konkrete Vorschläge, wie so ein Prozess gestaltet werden kann.

Um angehende Sozialarbeiter*innen für die Möglichkeiten von internationale Jugendarbeit  als Methode zu gewinnen, bietet Christian Schmidt-Rost zusammen mit Prof. Dr. Heike Förster an der HTKW Leipzig im Studiengang Soziale Arbeit das Wahlpflichtmodul „Internationale Kinder- und Jugendarbeit“ im WS 19/20 an.

Darüber hinaus bringen wir uns seit drei Jahren in die Diskussionen bei Forschung und Praxis im Dialog mit ein. Dieses Dialogformat wird vom transfer e.V. in Köln gestaltet und hat wesentliche Studien für das Feld, wie beispielsweise die Zugangsstudie.de oder die Panelstudie zu internationalen Jugendbegegnungen mit auf den Weg gebracht.

Abgesehen von diesen Projekten beraten wir selbstverständlich gerne Fachkräfte der Jugendarbeit und Jugendbildung und unterstützen bei der Entwicklung von internationalen Jugendbegegnungen.

An Demokratieförderung spart man nicht – schon gar nicht jetzt. Breites Bündnis fordert mehr Geld für Demokratieprogramm

Auch die KINDERVEREINIGUNG Leipzig e.V. hatte zusammen mit der EJB Weimar, dem Jugendsozialwerk Nordhausen e.V., der Hillerschen Villa Zittau e.V. und der KINDERVEREINIGUNG Chemnitz e.V.das Projekt “wir weit weg bildet demokratische Netzwerke” bei Demokratie Leben! beantragt. Gemeinsam wollten wir die demokratie bildenden Elemente des wir weit weg Projekts ausbauen und das Projekt an Oberschulen im Kontext der verschiedenen Träger implementieren. Die Förderung hätte das Engegament von vielen Beteiligten über 5 Jahre ermöglicht. Die Frustration nach der Ablehnung war auch angesichts der intransparenten und auch sonst mangelhaften Kommunikation der Organisatoren des Bundesprogramms besonders groß. Hinzu kommt, dass dieses Programm eines der wenigen ist, die über einen längeren Zeitraum auch hauptamtliche Arbeitszeit finanziert, die für die Unterstützung von Ehrenamt notwendig ist.

Unten findet Ihr den Pressemitteilung des Trägerzusammenschlusses und den offenen Brief an die Bundesministerin.

Pressemitteilung vom 18. Oktober 2019:

Die Kritik an der Bundesregierung und ihrem Demokratieförderprogramm wächst. Rund 120 Organisationen der Zivilgesellschaft sowie rund 120 Unterstützer*innen fordern Familienministerin Franziska Giffey (SPD) am Freitag in einem offenen Brief dazu auf, mehr Geld für „Demokratie leben!“ bereitzustellen: 200 Millionen Euro jährlich statt der bisher zugesagten 115 Millionen Euro sollen vor allem Modellprojekten für deren Arbeit gegen Rassismus, Antisemitismus und Extremismus zukommen. In seiner jetzigen Form spalte das Bundesförderprogramm die Zivilgesellschaft in Konkurrenten um die wenigen Projektgelder, so die Unterzeichner*innen.

Zum Hintergrund: In den vergangenen fünf Jahren hat „Demokratie leben!“ etwa 400 Modellprojekte gefördert. Nun sollen nur noch rund 100 dieser innovativen Projekte gefördert werden. Eine Vielzahl zivilgesellschaftlicher Träger kann nun keine Förderung beantragen. Einige von ihnen arbeiten bereits seit Mitte der 2000er Jahre in ihrem Feld, der Wegfall der Gelder ist für viele existenzbedrohend. Die Unterzeichner*innen kritisieren: „Dass das Ministerium sich gerade jetzt einer seiner größten Erfolgsgeschichten beraubt, halten wir für falsch. Es braucht mehr Zivilgesellschaft, mehr Engagement, mehr Kompetenz, mehr Erfahrungstransfer, mehr Ermutigung für Minderheitengruppen – und nicht weniger.“

Die Absagen stehen, so die Unterzeichner*innen, in eklatantem Widerspruch zu aktuellen Herausforderungen wie rechtsextremem Terror. Ferda Ataman von den „neuen deutschen organisationen“ sagt: „Gerade jetzt darf die Bundespolitik nicht an Demokratieförderung sparen, sie war nie notwendiger als jetzt. Es ist außerdem günstiger, in Gesellschaftspolitik zu investieren, als ständig die Sicherheitsmaßnahmen hochschrauben zu müssen.“

Auch die Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus ist von den Kürzungen massiv betroffen. Seit über 15 Jahren entwickelt sie Konzepte zu aktuellen Erscheinungsformen des Antisemitismus, insbesondere für die Arbeit in muslimisch- sozialisierten Milieus. Direktor Aycan Demirel warnt: „Viele unserer Projekte, unter anderem auch die wichtige Basisarbeit in Moscheegemeinden, müssen wir einstellen.“

Ministerin Giffey hatte das Förderprogramm umstrukturiert, kommunale Projekte können künftig mehr Geld erhalten – allerdings auf Kosten der Modellprojekte. „Das Problem ist nicht die Stärkung kommunalen Engagements, sondern die Kürzung bei den zivilgesellschaftlichen Trägern und die spaltende Wirkung der aktuellen Programmpolitik“, sagt Katharina Debus von Dissens – Institut für Bildung und Forschung. Der Verein setzt seit 30 Jahren Bildungsprojekte zu Geschlecht und Diskriminierung um, unter anderem zu geschlechterreflektierter Rechtsextremismusprävention, und ist durch die aktuelle Politik existenziell bedroht. Debus fordert: „Die zivilgesellschaftlichen Träger müssen unabhängig von den politischen Konjunkturen in den Kommunen sein.“  Timo Reinfrank von der Amadeu Antonio Stiftung ergänzt: „Wir setzen darauf, dass die Haushaltspolitiker in der Bereinigungssitzung am 14. November die Mittel für das Bundesprogramm ‚Demokratie leben!‘ deutlich erhöhen.“

Zudem fordern die Unterzeichner*innen eine langfristige strukturelle Förderung für bereits bewährte und erfolgreiche Träger, ein transparentes System der Bewertung von und Entscheidung über Förderzusagen sowie einen Beirat aus Trägerorganisationen, die Einfluss auf die zukünftige Programmgestaltung nehmen können.

Link zum Offenen Brief: www.demokratie-mobilisieren.de

Hintergrund:

„Demokratie leben!“ ist das zentrale Bundesprogramm zur Bekämpfung von Extremismus und zur Demokratieförderung, angesiedelt beim Bundesfamilienministerium. Die erste Förderperiode des Programms begann 2015 und läuft 2019 aus. In diesem Jahr hat das Programm ein Budget von 115,5 Millionen Euro. Die geplanten Kürzungen für 2020 wurden – nach erster Kritik der Träger – Anfang Oktober zurückgenommen, dem Programm stehen nun erneut über 115 Millionen Euro zur Verfügung – allerdings nur für das kommende Jahr. Perspektivisch soll das Budget gekürzt werden.

Für ein Gesetz zur dauerhaften Förderung, das sogenannte Demokratiefördergesetz, hatte sich bereits Franziska Giffeys Amtsvorgängerin Manuela Schwesig (SPD) ausgesprochen. Laut SPD blockieren die Unionsparteien die Einführung des Gesetzes.

https://www.demokratie-leben.de/bundesprogramm/ueber-demokratie-leben.html

https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/presse/pressemitteilungen/ueber-115-mio–euro-fuer–demokratie-leben—im-jahr-2020/139914

wir weit weg – Geschichte eines Projektdurchlaufs

„Portugal war super. Ich habe mit meiner Mama gesprochen. Ich will jetzt das Abitur machen. Danach bin ich 18 und dann will ich einen Volunteer machen. Am liebsten dort in Lissabon“

(Maja (15), Teilnehmerin wir weit weg Helmholtz Oberschule 9. Klasse)

Im Herbst 2017 trafen sich 10 junge Erwachsene zwischen 19 und 28 und das hauptamtliche Koordinationsteam zu einem Vorbereitungswochenende. Alle wollten sich als Coach engagieren und im Laufe des kommenden Jahres in einem Zweierteam mit einer Gruppe Jugendlicher nachmittags, nach dem Unterricht an einer Oberschule eine internationale Jugendbegegnungen entwickeln. An diesem Wochenende machten sie sich mit dem Projekt vertraut und versuchten ein Gespür für die Aufgabe und die eigenen Gestaltungsspielräume zu entwickeln. Dazu gab es Einheiten zu Teambuilding und  Projektplanung sowie verschiedene theoretische Inputs rund um interkulturelles Lernen und Partizipation. Dabei wurden Methoden der non-formalen Bildung eingesetzt und auch immer auf der Metaebene auf ihre Einsatzmöglichkeiten in der Arbeit mit den Jugendlichen hin reflektiert. Wichtig war zudem, dass sich hier die Teams finden konnten und ein Group-spirit entstand. Coaches und Projektleitung trafen sich im Zuge des Projekts immer wieder gemeinsam zum Erfahrungsaustausch oder zu Schulungstagen zu Themen wie Förderanträge oder Organisatorische Fragen rund um Jugendbegegnungen.

Eindrücke vom Coachwochenende

Im Nachgang des Wochenendes hatten sich die Teams richtig gefunden und Teams und Schulen gematcht. Wenige Wochen später starteten standen die Coaches im Unterricht vor 8. Klassen an Oberschulen und stellten wir weit weg vor. Mit einem Film von einer Jugendbegegnung  und meist einer persönlichen Geschichte: Warum macht mir internationale Jugendarbeit Spaß und warum möchte ich mit euch eine internationale Jugendbegegnung auf die Beine stellen?” So versuchten die Coaches die Schülerinnen und Schüler für das Projekt zu begeistern. Beim ersten offenen Gruppentreffen, meist in der folgenden Woche,  tauchten dann in der Regel viele Neugierige auf. Oft kamen zu den ersten Treffen zwischen 20 und 40 Jugendlichen. Als die Jugendlichen merkten, dass das Projekt mit “Arbeit” verbunden ist, schrumpfte die Gruppe in der Regel auf eine arbeitsfähige Größe von 8 bis 15 Personen.

In den ersten Gruppentreffen ging es darum, sich untereinander kennenzulernen, Regeln für das Miteinander zu entwickeln und Spaß zu haben. All dies aber immer hergeleitet von dem Ziel gemeinsam eine internationale Jugendbegegnung zu gestalten. Nachdem das Miteinander etabliert war, stellten die Coaches vor, in welchen Ländern wir Partnerorganisationen haben. Die Jugendlichen wurden aufgefordert in Kleingruppen kleine Präsentationen zu den Ländern vorzubereiten. Falls sich Teilnehmende für ein ganz anderes Land interessierten, konnten sie auch dieses vorstellen. Nur in Europa sollte es sein, weil das die Finanzierung und Reiseorganisation mit Minderjährigen deutlich leichter macht. Dies wurde auch immer transparent kommuniziert. Nach den Länderpräsentation kam es dann zur großen Abstimmung in welchem Land die Jugendbegegnung idealerweise stattfinden soll. Die Wahlmethoden variierten von einer geheimen Urnenwahl bis hin zum Konsensualisieren. Manchen Caches gelang es  auch diese Abstimmungsmethoden mit den Jugendlichen zu reflektieren. Dann war es ein sehr schönes Beispiel für gelungene Demokratie Bildung.

„Dieses Projekt ist das beste was Euch in Eurem Leben passieren kann!“

(Frau Brauer, Stellvertretende Schulleiterin an der 56. Oberschule zu den Teilnehmenden bei einem der ersten wir weit weg Treffen der Generation 17/18)

Nachdem das Zielland klar war, ging es darum einen Partner vor Ort für das Projekt zu gewinnen. Hierbei unterstützte die Projektleitung wesentlich die Coaches. Parallel begannen die Coaches mit den Jugendlichen zu überlegen, welche Themen und Methoden in der Jugendbegegnung. Da die Jugendlichen, denen wir im Projekt begegneten, oft kaum Hobbies hatten, an die sich ohne weiteres anknüpfen ließ, wurden auch verschiedene Methoden und Tätigkeitsfelder vorgestellt. Gemeinsam wurde dann ein Programm für eine internationale Jugendbegegnung entwickelt. Da die Teilnehmenden stark in die Programmplanung eingebunden wurden, waren sie manchmal etwas eklektisch. Aber uns ging es um maximale Partizipation am Prozess und nicht um die unter didaktischen Kriterien beste Jugendbegegnung. Den Förderantrag auf Basis des entwickelten Programms und in Absprache mit dem/n Partnerorganisation/en im Ausland schrieben dann die Projektleitung zusammen mit den Coaches.

Unsere internationalen Partnerorganisationen

Als der Förderantrag eingereicht war, wurde erst mal gefeiert. Für die Gruppe begann jetzt allerdings die schwierigste Phase im Projekt. Das Warten und die Unsicherheit, ob die Begegnung finanziert werden würde. Die meisten Gruppen nutzten diese Zeit für einen etwas weniger engen Rhythmus der Gruppentreffen, zumal diese Zeit oft in die Semesterferien fiel. Um die Gruppe zusammenzuhalten und die anderen Lernziele zu erreichen, wurden in dieser Phase gemeinsame Aktivitäten durchgeführt, wie beispielsweise erlebnispädagogische Maßnahmen, Workshops zu den Themen Diversität und Diskriminierung oder aber auch mal ein Ausflug in die Kletterhalle oder einen Escape-Room. 

Wenn dann endlich die Nachricht mit der Bewilligung der Jugendbegegnung kam, machten sich Coaches, Gruppe und Projektkoordination an die Vorbereitung. Wie sollte die Reise ablaufen? Wo kommen wir unter? Was bringen wir in das Programm ein? Zum Teil stellten sich die Gruppen aus Deutschland und dem Ausland schon mal gegenseitig per Video vor. In der Regel traf sich in dieser Phase auch ein Coach zum vorbereitenden Planungsbesuch mit Teamern/Coaches der ausländischen Partnerorganisation. 

Die Jugendbegegnung

Dann war es schließlich so weit. Die Coaches und die Teilnehmenden trafen sich am Fernbus-Bahnhof. Wichtig, sich von allen die Reisedokumente zeigen lassen. Sonst muss noch jemand hinterher fahren, weil nicht alle mitfliegen können. Angekommen am Zielort warteten schon die anderen Jugendlichen gespannt. Erstes Begrüßen, Beobachten und Schauen. Nach dem Beziehen der Zimmer in der gemeinsamen Gruppenunterkunft erste Treffen mit Kennenlern und Teambuilding-Methoden. Die Tage der Begegnung sind von einem bunten Workshop-Programm geprägt: Klettern, Graffiti, Sprach-Animation, Theater, Stop-Motion-Videos, eine Straßenaktion zu Freundschaft in Europa, interkulturelles Picknick am Strand  und viele weitere Aktivitäten. So konnten die Teilnehmenden erleben, dass sie in kleinen internationalen Gruppen etwas können: eine Straßen-Kampagne auf die Beine stellen, eine Performance erarbeiten, ein Ziel trotz Hindernissen erreichen, ein Instrument aus Schrott produzieren können, obwohl alle nur eingeschränkt gut auf Englisch kommunizieren. Die abendlichen Feedbackrunden halfen das Programm an die Bedürfnisse der Gruppe auch noch spontan anzupassen. Gerade bei den Teilnehmenden mit geringen Englischkenntnissen erwiesen sich neben den sprachmittelnden Coaches verschiedene Übersetzungsapps auch als sehr hilfreich. Zum Ende gab es meist eine bunte Abschiedsparty, oft mit einer Talentshow.  Die Abschiede waren Tränenreich.

Eindrücke von den Begegnungen

Nach der Rückkehr dann die Nachbereitung zu Hause. Die Gruppe reflektiert mit den Coaches die Erlebnisse und dokumentiert sie, leistet einen Beitrag zur Erstellung des Nachweises für die Förderer und die Öffentlichkeitsarbeit. Dieser Prozess wird wesentlich von der Projektkoordination vorangetrieben. So eine Rück-Begegnung geplant ist, wird diese nun mit dem ausländischen Partner zusammen vorbereitet. Dabei bringen sich die Jugendlichen wieder in die Programmplanung ein.

 IJA wirkt! Auch bei Jugendlichen, die nicht das Abitur anstreben

Die Erzählung zeigt, wir weit weg ist ein Format der Jugendbildungsarbeit, das internationale Jugendarbeit mit Elementen der politischen Bildung, der kulturellen Bildung sowie der Erlebnis- und der Medienpädagogik kombiniert. Dabei richtet es sich an Jugendliche, die nicht das Abitur anstreben, und damit an eine Zielgruppe, die von fast allen dieser Felder der Jugendbildung bisher unterdurchschnittlich erreicht wird. 

Kern des Projekts sind wie beschrieben Treffen junger Erwachsener, die wir Coaches nennen, mit Jugendlichen nach dem Unterricht in der Schule. Gemeinsam entwickeln sie eine internationale Jugendbegegnung und führen diese durch. Im Zuge dieses Prozesses treffen die Teilnehmenden zusammen mit den Coaches möglichst viele Entscheidungen selber. Auf diese Weise wird die Partizipation der Jugendlichen maximiert. Die Jugendlichen erfahren Selbstwirksamkeit und erlernen grundlegende demokratische Entscheidungstechniken. Zudem erhalten die Jugendlichen Einblicke in die außerschulische Bildungslandschaft vor Ort.

wir weit weg förderten in den Jahren 2017 – 2019

die Begegnungen wurden finanziert von

„Man sollte sich immer ein eigenes Bild erstellen“ – über die trilaterale Jugendbegegnung „Youngster Power“

Jugendliche zwischen dreizehn und siebzehn Jahren aus Serbien, Deutschland und Belgien trafen sich vom 9. bis 16. Juli 2019 in den Bergen im Norden Serbiens (Stražilovo) und in der Stadt Šabac. Sie beschäftigten sich mit den Themen „Youth Activism“, „Cultural Diversity“ und „Gender Equality“.

„Wenn ich an Serbien denke, schießen mir viele Bilder durch den Kopf. Mir kommen die schönen Abende, die wir als Gruppe auf dem Berg verbracht haben in den Kopf, ich erinnere mich an die schöne Zeit und die netten Leute und vermisse sie direkt“, erzählt Farag, 17 Jahre, der an der trilateralen Jugendbegegnung „Youngster Power“ teilgenommen hat.

Bei der internationalen Jugendbegegnung wurden verschiedene Methoden der non-formalen Bildung genutzt und es gab vier Workshops – Fotografie, Video, Musik und Theater –, in denen sich die Jugendlichen kreativ mit den Themen der Begegnung auseinandersetzten. Die Theatergruppe hat verschiedene szenische Darstellungen zu „Diskriminierung aufgrund von Geschlechterrollen“ erarbeitet. Die Musikgruppe hat ein Lied über kulturelle Vielfalt und Zwischenmenschlichkeit mit dreisprachigen Strophen und englischem Chorus geschrieben und in Begleitung von selbstgebastelten Percussion-Instrumenten einstudiert. Der Fotoworkshop hat eine Ausstellung zusammengestellt. Die Teilnehmenden haben dafür ihre Umgebung und die Menschen fotografisch festgehalten, um kulturelle Vielfalt in Šabac einzufangen und zudem selber Bilder inszeniert und fotografiert zum Thema „Geschlechter und Diskriminierung“. Die Ergebnisse der Workshops wurden vor der gesamten Gruppe und vor Freund*innen und Kolleg*innen des Partnervereins präsentiert. Die Jugendlichen konnten das Publikum beeindrucken und bewegen.

Das intensive und kreative Miteinander hat die Jugendlichen zusammengeschweißt und zu vielfältigem Austausch angeregt – das bestätigt auch Farag: „Ich habe in Serbien viele Sachen gelernt, viele Leute kennengelernt und mich selbst. Ich habe in mir Sachen entdeckt, die ich früher so nicht kannte und ich war von mir positiv überrascht, dass ich fremde Leute so schnell akzeptieren konnte und sie innerhalb von ein paar Tagen große Bedeutung für mich bekommen haben. Ich habe daraus gelernt, dass man niemals an irgendwelche Gerüchte über andere glauben sollte, man sollte sich immer ein eigenes Bild erstellen, indem man selber Erfahrung sammelt und man wird schnell feststellen, dass die Gerüchte nicht stimmen.“

Zum Abschluss wurde gemeinsam auf die Woche zurückgeblickt und reflektiert, um dann mit neuen Erkenntnissen in die Zukunft zu denken. Den letzten Nachmittag haben die Jugendlichen damit verbracht, eine Rückbegegnung nächstes Jahr in Belgien zu planen. Mit allem, was sie in der Woche erlebt und gelernt haben, konnten sie gemeinsam über ein Thema, Workshops und ein Programm für diese zweite Jugendbegegnung abstimmen. Der erste Schritt ist damit getan und mit der Unterstützung der Teamer*innen werden die Jugendlichen weiter an der Planung und Umsetzung der Rückbegegnung beteiligt sein. Letztlich entscheiden die Jugendlichen selbst, ob und wie ein Wiedersehen in Belgien stattfindet. „Solche Begegnungen würde ich auf jeden Fall weiterempfehlen, denn es ist eine einmalige Chance, neue Freunde zu treffen, die einen eine Woche lang begleiten und mit denen man nach dieser Woche ein neues Wiedersehen suchen will. Dennoch gab es etwas sehr Schlimmes für mich an dieser Reise – und zwar der traurige Abschied“, so Farag.

Text: Fina Wiese und Farag Ghassali

U18 Wahl: Die Stimmen der Jugend zählen

Wir rufen gemeinsam mit dem Stadtjugendring Leipzig und dem Kinder- und Jugendbüro zum Mitmachen bei der U18-Lantagswahlen in Leipzig auf.

Der Countdown läuft: In knapp vier Wochen finden sachsenweit die Landtagswahlen statt. Leipziger Jugendvereine, Jugendclubs und auch viele Schulen bereiten sich jetzt schon gemeinsam auf die traditionell stattfindenden U18-Wahlen vor. Denn neun Tage vor der offiziellen Wahl wird feststehen, welche Parteien Kinder und Jugendliche gerne im Sächsischen Landtag hätten. Und während die heiße Wahlwoche in Leipzig vom 19. bis 23. August stattfindet, sind die kommenden Ferienwochen vollgepackt mit spannenden Aktionen und Maßnahmen der politischen Bildung. Spielerisch beschäftigen sich Kinder und Jugendliche mit Politik, formulieren ihre Anliegen und wählen dann ihr Parlament.

Wann und wo welches Wahllokal geöffnet ist, kann auf der Website unter www.u18.org in Erfahrung gebracht werden. Zum Start der Aktionswochen sind bereits 20 Wahllokale gemeldet, die sich über die ganze Stadt, von Grünau bis nach Thekla, verteilen. Der Stadtjugendring Leipzig und das Kinder- und Jugendbüro rufen alle Vereine, Verbände und Institutionen auf sich als Wahllokal anzumelden. Das gemeinsame Ziel ist eine möglichst flächendeckende Versorgung der Stadt. Alle Wahllokale bekommen vom Stadtjugendring ein Starterpaket mit Informationen und Materialien, Armbändchen mit dem U18-Logo und vielem mehr.

Bereits zur Europawahl im Mai konnten die Kinder und Jugendlichen abstimmen und so die Wahlen direkt miterleben. „Dass es ein besonderes Interesse an der Landtagswahl gibt, ist auch bei uns zu spüren“, erklärt Frederik Schwieger, Geschäftsführer beim Stadtjugendring Leipzig e.V. „Wir liegen bereits jetzt schon über der Anzahl von Wahllokalen zur U18-Europawahl“, führt Schwieger weiter aus. Unter der großen Vielfalt von Trägern befinden sich Schulen, wie das Evangelische Schulzentrum Leipzig und die Paul-Robeson Oberschule, Jugendtreffs und Jugendzentren, wie der MiO-Interkultureller Mädchentreff und der Jugendclub Mölkau, bis hin zu Jugendverbänden, wie der Katholischen Dekanatsjugend oder dem selbstverwalteten Jugendclub Iuventus e.V.

„Die neusten Entwicklungen zur Landtagswahl zeigen uns, wie wichtig es ist dafür zu sorgen, dass bereits Kinder und Jugendliche die Chance erhalten ihre Stimme abzugeben und demokratische Spielregeln zu erlernen“ meint Schwieger. Es ist bereits jetzt möglich, sich durch Wahlprüfsteine über die Inhalte der Parteien und über Wahllokale in der Nähe zu informieren. Mit der Kampagne #dannwaehldoch macht der Stadtjugendring auf diese Angebote online aufmerksam unter u18.kjrs.de/dannwaehldoch.

In den nächsten Wochen werden politische Veranstaltungen organisiert, Urnen gebaut, Wahlzettel ausgedruckt und Wähler*innen mobilisiert. Das Ergebnis wird am 01. September, auf der öffentlichen Wahlauszählung im Neuen Rathaus, präsentiert.

Ansprechpartner: Stadtjugendring Leipzig e.V., Tom Pannwitt, Telefon 0341 689 48 59,

sjr@stadtjugendring-leipzig.de